Ein Schlafsack für die Ringelnatter
Wissenschaftliches Projekt in Dormagen soll die Schlangenart vor dem Aussterben bewahren

Von UWE WITSCH

DORMAGEN. Die Schlange ist im Busch. Dieses mal im wahrsten Sinne des Wortes. Es geht dabei um die Ringelnatter im Knechtstedener Busch am Rande von Dormagen-Delhoven.

Das Haus der Natur, eine biologische Station im Kreis Neuss, will das Reptil im Rheinland vorm Aussterben bewahren. Zu diesem Zweck hat es unter dem Titel "Ein Schlafsack für die Ringelnatter" ein neuartige, wissenschaftliches Projekt ins Leben gerufen. Partner sind dabei das Staatliche Forstamt Bonn, die Stadt Dormagen, der Ringelnatter-Forscher Heinz-Peter Eckstein und die Firma 3M Deutschland GmbH in Neuss.

Den Begriff Schlangen-Schlafsack darf man nur im übertragenden Sinn verstehen. Es handelt sich dabei um Holz- und Aluminiumtafeln, die im Wald ausgelegt werden und den Tieren als Aufwärm- oder Versteckplatz dienen. Die Tafeln sind auf der Oberseite mit einer schwarzen 3M-Folie beschichtet, die normalerweise als Steinschlag-Schutzfolie auf Fahrzeugen zum Einsatz kommt. Sie dient im Projekt in Verbindung mit einfallendem Sonnenlicht als Wärmesammler. Auf der Unterseite der sich schnell erwärmenden Aluminiumtafeln befindet sich die Thinsulate-Wärmeisolierung. Das leichte und dünne Mikrofaservlies, bekannt vor allem aus der Fertigung von Outdoor-Bekleidung, schützt den Ruheplatz der Schlangen einerseits gegen zu starke Aufheizung und hilft andererseits den wechselwarmen Tieren, ihre Körpertemperatur lange Zeit konstant zu halten. Rund 60 beschichtete Tafeln sind im Knechtstedener Busch verteilt und werden regelmäßig kontrolliert. Aufkleber weisen Wanderer auf das wissenschaftliche Projekt hin.

Das Untersuchungsgebiet sei in früheren Zeiten mit seinen Wäldern, Sümpfen und Gewässern ein wahres Paradies für Ringelnattern gewesen, berichtet Ralf Krechel vom Düsseldorfer Institut für Vegetationskunde, Ökologie und Raumplanung. Die Ursachen für den dramatischen Rückgang liegen für ihn auf der Hand: Auch die letzten Sumpf- und Ödländer seien urbar gemacht, die Landnutzung in all ihren Nuancen intensiviert worden. Zum Lebensraum der Ringelnatter gehören aber stehende Gewässer und Feuchtwiesen, wo sie für ihre Ernährung Amphibien und deren Kaulquappen findet.

Im Knechtstedener Busch wird auch die Landwirtschaft in das Projekt mit einbezogen. So mancher Gartenbaubetreiber hat nichts dagegen, wenn die für Menschen ungefährlichen Nattern ihre Eier in Komposthaufen legen und die geschlüpften Jungen in Teichen Nahrung suchen.

Haus der Natur, Kloster Knechtsteden, 41540 Dormagen, Telefon 02133/50 23-0.
 

Quelle: Rheinische Post Donnerstag, 23. August 2001