Zoobericht:  Aquazoo Düsseldorf

 

Hier bewegt sich was - der Aquazoo in Düsseldorf

von Dr. Wolfgang W. Gettmann

Vom Aal bis zum Zwergotter, vom Seestern bis zum Seehund: Im Düsseldorfer Nordpark wurde 1987 mit dem Aquazoo – Löbbecke Museum zum ersten Mal in Deutschland ein Gebäudekomplex eröffnet, in dem die Darstellungsweisen eines Zoos konsequent mit denen eines Naturkundemuseums durchdrungen sind. In Themenbuchten von A bis Z erfahren die Besucher auf lehrreiche, aber unterhaltsame Weise das Geheimnis der Evolution, die Bedeutung der Anpassung an den Lebensraum und die Faszination von rund 550 Tierarten. Unterschiedliche Meeresbewohner, wie Korallen und Haie, sind genauso vertreten wie die Piranhas südamerikanischer Gewässer oder die Schlammspringer der Mangrovensümpfe. Am Flussufer des schmetterlingsreichen Tropenwaldes leben Krokodile und auch die Bewohner trockener Savannen werden durch verschiedene Echsen- und Säugetierarten vorgestellt.

Die Geschichte des Instituts reicht weit zurück ins 19. Jahrhundert und hat zwei Wurzeln: In Düsseldorf baute der Apotheker und Privatgelehrte Theodor Löbbecke ein bedeutendes Privatmuseum der Naturkunde auf, dessen Sammlung seine Witwe 1901 der Stadt übergab und welches seit 1904 als Löbbecke-Museum firmierte. 1876 eröffnete der zuerst Vereinsgetragene Zoo, dessen Tierbestand bis 1905, als er der Stadt Düsseldorf übergeben wurde, auf 1238 Exemplare angewachsen war. Im Jahr 1930 rückten Naturkundemuseum und Zoo räumlich zusammen: Neben dem neu gestalteten Zooeingang wurde ein neues Ausstellungshaus eröffnet; beide Einrichtungen entwickelten sich zu einem gemeinsamen Zentrum mit hoher Akzeptanz und gutem Ruf. Der 2. Weltkrieg markierte das Ende der Koexistenz: Im Bombenhagel des Jahres wurden Zoo und Museum zerstört. Die geretteten Sammlungen erstanden 1947 als Museum in einem Luftschutzbunker wieder und wurden 1948 durch ein Aquarium erweitert, das seitdem als „Vivarium“ an Größe und Bedeutung ständig zunahm und schließlich als artenreicher Themenzoo mit dem Museum zu einer unlöslichen Einheit verschmolz.

Nach dem Umzug in den Düsseldorfer Norden steht heute das Doppelinstitut Aquazoo – Löbbecke Museum in der Tradition beider Kultureinrichtungen und wird jährlich von mehr als 600.000 Menschen von Nah und Fern besucht. Unter dem Motto „Hier bewegt sich was“ sind Ausstellungen, Hegen und Pflegen neben den pädagogischen Programmen die Arbeitschwerpunkte, die die Besucher schätzen. Das Präsentationskonzept für das in der Regie der Düsseldorfer Architekten Dansard, Kalenborn & Partner geplanten und in fünfjähriger Bauzeit für rund 34 Millionen DM realisierte Institut stammt von Prof. Dr. Manfred Zahn, der bis Ende März 1994 über 27 Jahre lang die Geschicke des Aquazoos lenkte. In einem Rundgang auf mehreren Ebenen werden die Besucher im Gebäude mit über 7.500 m² Bruttogeschossfläche durch Themenbuchten von A bis Z auf den Spuren der Evolutionsgeschichte geführt. Alles unter einem Dach: In Großgehegen (z.B. Eselpinguine), riesigen Aquarien (z.B. Haie und Meeresschildkröten) sowie Landschaftsterrarien (vom Nashornleguan bis zum Bindenwaran) präsentieren sich die „Botschafter der bedrohten Tierwelt“. Einheimische Seehunde sind vorzufinden wie Panzer- und Stumpfkrokodile sowie Mississippi-Alligatoren im tropischen Regenwald mit einem künstlichen Flusslauf und exotischer Vegetation. Insgesamt stehen rund 1.3 Millionen Liter Wasservolumen als Lebensräume zur Verfügung, Heimstatt für über 200 verschiedene Fischarten. Aber auch die Bewohner von Wüsten (z.B. Agamen und Skinke) sowie von Savannen (wie Zwergmangusten) werden vorgestellt. Natürlich fehlen im tropischen Regenwald auch nicht die baumbewohnenden Vertreter der Krallenäffchen (Weißbüscheläffchen) sowie die selten zu sehenden Zwergagutis. Besonders erwähnenswert ist die dort lebende Vielfalt an freifliegenden Schmetterlingen, die im Institut gezüchtet werden. Überhaupt ist das Insektarium eines der artenreichsten in Zoos überhaupt: Vom Rosenkäfer bis zum Wüstenlaufkäfer, von Blattschneiderameisen bis zur Gottesanbeterin, von der Riesengespenstschrecke bis zur Totenkopfschabe reicht die Palette, die von weiteren Gliedtieren abgerundet wird: Spinnen, Tausendfüßer und Asseln.

Immer wieder wird beim Rundgang das Konzept deutlich: „Verzahnungen“ von tiergärtnerischer Schaustellung und naturmusealer Darbietung. So entstand die institutstypische Präsentation ohne „erhobenen Zeigefinger“, die seit Jahren eine ausgezeichnete Aufnahme in der Fachwelt und beim Publikum erfährt.

Zu einem Besuch im Aquazoo – Löbbecke Museum wird die Bevölkerung auch durch regelmäßige Sonderausstellungen animiert. Einen besonderen Erfolg erzielte das Team der Schau „Ratten, die Supermäuse“, in der nicht nur (fast) die ganze Mäuseverwandtschaft (auch) lebend vorgestellt wurde, sondern zusätzlich noch viele Informationstafeln und Vitrinen diese hoch interessanten Tiergruppen darstellte. Die Ausstellung fand als Leihgabe in den Zoos von Münster, Osnabrück und Leipzig ebenfalls Anklang.

Auch In-Situ-Naturschutzprojekte werden vom Aquazoo Düsseldorf begleitet: Für den tunesischen Nationalpark Bou-Hedma, wo u.a. Oryx- und Addax-Antilopen aus Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen wieder eingebürgert wurden, entwarf man die Inneneinrichtung für ein Informationszentrum und installierte vor Ort die Schauelemente. (Kleine Anmerkung am Rande: Und seitdem leben und züchten im Aquazoo die in menschlicher Obhut sehr selten gezeigten Gundis, eine Nagertiergruppe der Felsregionen der Wüsten und Halbwüsten Nordafrikas).

Zusammen mit dem Freundeskreis des Aquazoos legte die Institusleitung eine Studie zur Erweiterung der Einrichtung vor: Mit einem Besucher-Tunnel soll ein Neubau angegliedert werden, in dessen Peripherie u.a. zwei neue Robbenanlagen geschaffen werden. Dies ist umso wichtiger, als den seit Jahren in Düsseldorf erfolgreich gezüchteten Südamerikanischen Seebären jüngst wegen ihrer Gefährdung in der freien Natur der Zuchtbuchstatus verliehen wurde. Auch der Nachfrage der übrigen Dienstleistungen des Aquazoos – wie z.B. die Durchführung von Tagungen und Fortbildungsveranstaltungen, die Betreuung von Arbeitsgemeinschaften sowie des Naturfilmfestivals BIOVISION – könnte dann noch besser Rechnung getragen werden, die miteinander verzahnte Arbeit aus den Bereichen Zoo und Museum zur Wahrung unseres naturhistorischen Erbes könnte dann noch erfolgreicher sein. Wir schauen mit Optimismus in die Zukunft!

>>> Webseite des Aquazoos <<<
 

Aktualisiert: 16.09.2002